‘Es tut weh, jemandem im Herzen zu tragen, den man nicht in die Arme schließen kann’

Es ist nun fast ein halbes Jahr her, seitdem mein kleiner Bruder nicht mehr bei uns ist. Fast ein halbes Jahr in dem ich ihn unendlich vermisse und jeder Gedanke an ihn es schwer machte den nächsten Atemzug zu nehmen. Auch in diesem Augenblick sind die Tränen kaum zu stoppen. Fast ein halbes Jahr… und noch ein ganzes Leben voller Trauer, dass bewältigt werden will und man weiß gar nicht, woher man diese Kraft noch nehmen soll.

Mein kleiner Bruder war ein ganz großer…

Mein kleiner Bruder war ein ganz großer – ein ganz großer Teil meines Lebens. Auch wenn wir nicht jeden Tag am Telefon hingen oder uns häufig getroffen haben. Wir haben unsere Kindheit geteilt – ein sehr lebendiger Teil meiner Erinnerungen und auch mit der schönste Teil. Wir haben unsere Bettdeckenhöhlen mit gemeinsamer Kraft perfektioniert, uns gegenseitig unterhalten, getröstet, wenn einer traurig war und um Herbert Grönemeyer zu zitieren ‘wir waren verschwor’n; wär’n füreinander gestorben, haben den Regen gebogen; uns Vertrauen gelieh’n’. Gemeinsam waren wir stark – stark genug, um im Urlaub neue Bekanntschaften zu machen; stark genug, um Abenteuern entgegen zu treten. David war immer mutig und abenteuerlich, ich weniger, aber er hat mich mitgerissen. Er dafür war nicht der große Redner, da kam ich ins Spiel. Wir haben uns immer gut ergänzt und uns auch, wenn es drauf ankam, blind verstanden.

Mein Bruder war aber auch ein ganz Großer. Er hat soviel erreicht, so viele Menschen berührt – ich könnte nicht mehr stolz sein, dass ich seine Schwester bin. Und es auch immer sein werde! Es scheint immer noch unglaublich in einigen Momenten, in anderen Moment erschlägt mich die Realität fast; wie kann ich von meinem KLEINEN Bruder, auf den ich doch immer gut aufpassen wollte, der die Ruhe in Person war; der ein so starker, mutiger und gutmütiger Mensch war; der mich immer zum Lachen bringen konnte – wie kann ich jemals mit Überzeugung von ihm in der Vergangenheit sprechen.

Ich bin immer noch überwältigt von der Unterstützung, die wir als Familie, von euch – David’s Freunden – erhalten haben! Es ist schön, durch euch noch weitere Dinge über David zu hören; man lernt ihn dadurch weiter kennen. Aber es bricht mir auch das Herz, da ich euch gerne MIT ihm kennen gelernt hätte.

Das wohl wichtigste was ich von David gelernt habe ist: entspannen – nicht stressen lassen. Jedes Problem hat auch seine Lösung, man muss nur die Augen aufmachen. Diese Philosophie hat er für mich immer wieder ausgestrahlt – ich werde versuchen drauf zu hören…

In ewiger Erinnerung, mit endlosem Stolz und sehr viel Liebe werde ich ihm irgendwann folgen, ihn ganz fest drücken und dann nie wieder gehen lassen.

Anna